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Das Märchen vom Multitasking

Auf einem Kongress letzte Woche in Wien sprach Frank Schirrmacher, Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, über das Menschsein im Computerzeitalter.

Er vertrat die Meinung, dass der Mensch nicht multitaskingfähig sei und sich unser Gehirn durch die Nutzung von elektronischen Medien verändern würde. Die männlichen Zuhörer im Saal fühlten sich sofort bestätigt und erleichtert, es ist also ganz natürlich, nicht mehrere Dinge gleichzeitig tun zu können.

Der Begriff Multitasking entstand wohl mit der Erfindung des Computers. Während es völlig normal ist, dass unser Rechner mehrere Aufgaben gleichzeitig erledigt – immerhin will man ja die Kapazität des Prozessors voll ausnutzen – kann unser Gehirn das eben nicht.

Alles ganz normal?

Obwohl es mittlerweile völlig „State of the Art“ ist, seine To do’s abzuarbeiten, während man Radio hört, jedes E-Mail liest, dass am Bildschirm aufpoppt, en passant dem Kollegen erzählt, wie das Wochenende war und noch schnell der Tochter via SMS zur gelungenen Schularbeit gratuliert, aber „normal“ ist das nicht.

Schirrmacher meinte, die häufigste Frage, die wir uns derzeit stellen, lautet: „Was wollte ich gerade tun?“. Unser Gehirn braucht nach jeder Unterbrechung etwa 25 Minuten und die relevante Information wieder auszugraben. Viele Menschen arbeiten deshalb gerne morgens und abends, weil sie da am wenigsten gestört werden.

Hausgemachter Stress

Amerikanische Forscher untersuchten Menschen in zwei Gruppen bei verschiedenen Tätigkeiten. Die einen durften sich völlig auf ihre Aufgabe konzentrieren. Die anderen widmeten sich ihrer Aufgabe und nebenbei bearbeiteten sie ihre E-Mails, nahmen Telefonate entgegen und bedienten auch ihr Mobiltelefon. Die zweite Gruppe hatte Schwierigkeiten sich auf eine Angelegenheit zu konzentrieren und hatte Probleme herauszufinden, welche Information relevant ist und welche nicht. Zudem wurden sie immer gestresster, weil sich die Bewältigung der zu erledigenden Aufgabe in die Länge zog.

Eine weitere Auswirkung dieses Verhalten scheint eine Tendenz zur Oberflächlichkeit zu sein. Niemand nimmt sich meist die Zeit Geschriebenes zur Gänze durchzulesen. Forscher in England haben unser online Verhalten untersucht und festgestellt, dass die Mehrzahl der Benutzer sich nur oberflächlich informiert. Artikel im Web werden nicht ganz durchgelesen, oft ist irgendwo ein weiterführender Link, auf den man klickt und so gelangt man von Seite zu Seite und kehrt selten zum ursprünglichen Artikel zurück. Man liest Headlines und Resümees, selten den ganzen Text.

Wozu anstrengen?

Diese Art der Informationsverarbeitung wirkt sich im Gehirn nachhaltig aus. Wir verlieren mehr und mehr die Fähigkeit zum vernetzen Denken, etwas analysieren zu können. Auch unsere Merkfähigkeit leidet darunter. Wozu auch anstrengen, die Suchmaschine merkt sich sowieso alles.

Ist somit der Mensch der Maschine unterlegen? Nein. Der Mensch verfügt über Fähigkeiten, die eine Maschine nicht haben kann. Mehr dazu erfahren Sie im Artikel „Ohne Bauch geht’s nicht“ (coming soon)

Die Zeit ist dehnbar wie ein Kaugummi

Albert Einstein hat die Menschen schon vor 100 Jahren gelehrt, dass es keine absolute Zeit geben kann. Das Maß der Zeit hängt immer von demjenigen ab, der sie erlebt. Das Bewußtsein schafft sich seine eigene Zeit, es ist dabei nicht abhängig von irgend einem Takt, so wie es beim biologischen Rythmus ist, den jeder in sich hat. Wir beurteilen die Zeit nach dem was wir tun, worauf wir achten und unsere Wahrnehmung entscheidet, ob die Zeit langsamer oder schneller vergeht.
Zeit ist aber nunmal der Stoff aus dem das Leben ist. Einstein sagte, ein zweistündiges Rendevous mit einem Mädchen, in das man verliebt ist, verfliegt so schnell wie zwei Sekunden. Zwei Sekunden auf einer heißen Herdplatte erscheinen uns so lange wie zwei Stunden.
Unser Gehirn kann vieles ertragen, nur keine Langeweile. Dazu hat es die Evoution nicht angelegt. Ständig Neues zu erfahren und neue Wege und Lösungen zu finden, war für das Überleben entscheidend. Haben sie schon einmal in einer Zahnarztpraxis sehr lange warten müssen? Es gibt wohl nichts Schlimmeres. Man vermutet, es wird einem Schmerz zugefügt, es soll so schnell wie möglich vorbei sein, doch wir werden gezwungen geduldig zu sein.

Es kann aber genau so schrecklich wegen etwas Schönem auf die Folter gespannt zu werden. Als Kind auf das Christkind zu warten ist eine anspruchsvolle Herausforderung. Sich auf einen Moment zu freuen, der sich zum erhofften Zeitpunkt nicht einstellt, sondern immer wieder hinausgeschoben wird ist unerträglich. Dankbar ist das Gehirn da über Abwechslung. Eine Tätigkeit, die uns so sehr ausfüllt, dass wir darüber die Zeit vergessen können. “Flow” ist der Begriff dafür – erfunden von Mihaly Csikszentmihalyi – in etwas völlig aufzugehen und darüber alle Dimensionen zu vergessen.

Wenn wir auf etwas warten, das sich nicht einstellt sind wir erregt, wir empfinden die Kränkung, dass man uns zappeln läßt. Wir empfinden Ohnmacht, weil wir nichts tun können um die Zeit zu beschleunigen, wir sind ihr aus geliefert.
Wir empfinden Angst, dass wir etwas Entscheidendes versäumen, oder den Ärger darüber gefangen zu sein und das nicht tun zu können, was wir eigentlich tun wollen. Etwas gegen seinen Willen ertragen zu müssen kann die Zeit schier unendlich dehnen. Nelson Mandela erinnert sich an die Zeit seiner Gefangenschaft in südaftikanischen Kerkern: “Jede Stunde erschien mir wie ein Jahr”

Jeder Mensch empfindet Momente und Zeit anders, Situationen sind unterschiedlich. Jemandem der sehnsüchtig auf etwas wartet zu sagen, “…hab Geduld, ist ja nicht so schlimm”, ist schlichtweg sinnlos. Es ist entscheidend im Hier und Jetzt zu leben. Glück in ein paar Monaten ist im Moment völlig nutzlos!
Ich hatte eine Freundin, sie arbeitete jahrelang ausschließlich um ihre Schulden zurückzuzahlen. In einigen Monaten wollte sie zum ersten Mal seit Jahren wieder Urlaub machen. Sie bekam Husten, der nicht vergehen wollte. Sie ging zum Arzt. Diagnose Lungenkrebs. Fünf Wochen später war sie tot. Sie war 45 Jahre alt.

Man kann die Zeit dehnen oder verkürzen, hassen oder genießen, nur eines kann man nicht, in der Zukunft leben….

(inspired by Stefan Klein – Zeit)

Moderne Gespräche

Wie sieht unsere Kommunikation aus? Und wie gestaltet sich diese?
Eigentlich haben Studien bereits bewiesen, dass man sich so verhält, als wäre es im “real life”. Aber das stimmt nicht. Sicher ist es so, dass wir die selben Emotionen transportieren, aber die Art, wie wir es tun unterscheidet sich meiner Meinung nach gewaltig.
Im “echten Leben” kämen wir wahrscheinlich eher nicht auf die Idee, wenn wir mit einer Person sprechen, phasenweise einfach nichts zu sagen. Wir würden uns vermutlich auch nicht einfach umdrehen und gehen, ohne uns zu verabschieden. Was von Angesicht zu Angesicht noch funktioniert, online hat es seine Gültigkeit verloren.

Wie kommt das? Ich denke nicht, dass es daran liegt, dass wir über ein Gerät kommunizieren. Vielmehr scheint es mir ist unser Gehirn reizüberflutet. Schon länger ist Neurowissenschaftlern bekannt, dass mulitasking weder “ordentlich” funktioniert, noch sinnvoll ist. Nicht nur die Tätigkeiten, die uns im Moment beschäftigen benötigen unsere Aufmerksamkeit – und selbst von denen gibt es jede Menge. Kaum ein Tag vergeht, an dem wir nicht einer Fülle von Reizen ausgesetzt sind. Wir tippen schnell ein sms ins mobile, während wir ein Gespräch führen, wir chatten nebenbei noch mit mehreren Personen, unterdessen läuft der Radio oder der Fernseher. Dazu kommen noch die E-Mails, die man sich kurz ansieht und die Feedreader fordern auch ihre Aufmerksamkeit. Dann muss man natürlich noch eine Mood Message posten, ein Foto von der Tätigkeit, die man gerade macht und noch rasch einen Kommentar hier, ein “gefällt mir” da, dann klingelt das Telefon und man sucht – das mobile eingequetscht zwischen Schulter und Ohr – die Unterlagen, die man gerade braucht.

Schuld an dem ganzen Dilemma ist die sogenannte Exekutivfunktion im Gehirn. Sie ist darauf programmiert, neuen Reizen unabdingbar zu folgen. Schließlich war es in der Evolution nötig auf alle Gefahren sofort zu reagieren.
Allerdings, sind die Gefahren der Neuzeit eher, wie man mit dem Stress der Vielzahl von Ablenkungen umgeht. Wir sind einer Fülle von Reizen ausgesetzt und ständig gilt es zu entscheiden, was als Erstes gemacht werden muss und ob eine Tätigkeit zugunsten einer weniger wichtigen zu unterbrechen ist.
Denn, was den Stress die Summe der Reize zu bewältigen noch erhöht ist, wir schleppen auch stängig eine Vielzahl an Unerledigtem im Kopf mit uns herum. Das verstärkt die Belastung noch zusätzlich.
Warum dann der Mensch dazu tendiert “gefährliche Schiebschaften” zu tun ist mir noch unklar. Prokrastination ist eine alltäglich angewandte Technik um sich die Erledigungen vom Hals zu schaffen – funktioniert nur leider schlecht.

Also, Fazit, weniger ist mehr. Und mehr Aufmerksamkeit und Höflichkeit würde uns nicht schaden!

warum ich fühle, was du fühlst

Das menschliche Gehirn ist in seiner Faszination unfassbar. Dank der Wissenschaft hat man viele Abläufe bereits erkannt, sozusagen entschlüsselt, was den Menschen auch sehr zugute kommt, denke man nur an Katatym Imaginative – oder Hypnose Therapien.

Aber was macht es aus, dass man auf der selben Wellenlänge schwingt? Wir denken an jemanden, wollen anrufen, schon klingelt es und diese Person ruft an….Wir schicken uns zeitgleich E-Mails ….(immerhin sind wir ja moderne, aufgeschlossene Computerjunkies….aber die emotionale Kommunikation mittels elektronischer Medien ist eine andere Geschichte, oder vielleicht doch nicht, eventuell ist es ja genau das – des Rätsels Lösung?)

In der Tat ist es seit menschengedenken DIE Frage ob Dinge existieren, wenn man sie nicht sehen kann. Woran erkennt man, dass der andere leidet, woran erkennt man, wie ein anderer fühlt? Kann man Liebe messen? Vom Thema Gott ganz zu schweigen….
Schon Einstein beschäftigte sich in seiner Relativitätstheorie sozusagen mit der Kommunikation von Teilchen. Vor kurzem wurde in Wien von Anton Zeilinger bewiesen, dass Teilchen, die einmal verbunden waren auch über beliebige Distanzen kommunizieren.
Die wissenschaftliche Erklärung was ein Teilchen ist erspare ich mir hier…..

Was hingegen aber auch relevant wäre, denn wie das legendäre psychokinetische Würfelexperiment von Rhine zu belegen versuchte, könnte es durchaus möglich sein Dinge/Teilchen allein mit dem Geist zu beinflussen. Mensch=Teilchen=Würfel???….na gut, lassen wir das….

Giacomo Rizzolatti ist es zu verdanken, dass wir zumindest wissen, warum wir gewisse Handlungen anderer voraussagen können. Er fand das Spiegelneuron. Es handelt sich dabei um eine äußerst benutzerfreundliche neuronale Hardware, arbeitet es denn spontan und völlig unabhänig von unserem analytischen Verstand.
Seinen Erkenntnissen nach begeben sich Menschen (oder Teichen ;-) ) in einen gemeinsamen Bedeutungsraum in dessen eine Resonanz stattfindet. Beiderseitiges Einverständnis ist dazu nötig. Vereinfacht ausgedrückt kommuniziert unser “Unterbewußtsein” mit dem der anderen Person. Wieder mal ein Hoch auf die von mir geliebte Amygdala :-)

verwirrt? macht nichts …mehr dazu ein ander Mal……