Kategorie-Archiv: Geschichten aus dem Web

Der Feind in meiner Timline

Voyeuristische Einzeltäter auf der Suche nach der neuesten Information. Sozial ausgehungert sitzen wir vor unseren Geräten und ergötzen uns an den Gedanken der Anderen. Zu langweilig, zu eintönig ist unser tägliches Allerlei. Einheitsbrei in der verschwommenen Masse individueller Wesen, Menschheit genannt.

Hunger durch Übersättigung

Hochglanzbilder hier, sprachliche Makramee-Arbeiten dort. Dazwischen läuft das Neuzeitgrammophon Youtube sich die Rillen wund. Keine U-Bahnfahrt ohne Teenager mit Gratisbeschallung aus Kopfhörern in einer Lautstärke, dass niemand im ganzen Wagon auch nur eine Note versäumen muss. Ein Screen da, ein Screen dort, jetzt auf den Bahnsteigen noch geschmückt mit QR-Codes.

Statt dem Gegenüber in die Augen, blicken wir gebannt auf unser Smartphone. Was genau hören wir noch? Was sehen wir? Leben wir noch in der gleichen Welt? Ist es nicht nur unsere eigene Welt, die wir uns erschaffen? Facebook zeigt nur die Freunde an, mit denen man kommuniziert. Auf Twitter wird man in eine Liste gepackt – sie entscheidet, ob man gelesen wird, oder als uninteressant abzustempeln ist.

Das Bild hat das Wort verdrängt – es spricht schneller

Natürlich teilt man etwas mit anderen, vorausgesetzt es erscheint in der Timeline. Aber Achtung! Nur für kurze Zeit. Ein paar Stunden später ist so eine Meldung schon ein alter Hut, nicht des Runterscrollens dorthin wert. Es ist ein Overflow der Information. Wir wissen von allem ein bisschen, aber Wissen ist das noch lange keines. Wir reden überall mit, haben zu allem eine Meinung, aber kaum Kenntnis über Details. Zusammenhänge? Wer fragt danach? Morgen ist es doch wieder vergessen.

Gesichtslose Wesen

Natürlich sprechen wir miteinander, klar. Man diskutiert auch mit Leuten, die kein Gesicht haben. Eine Maske, ein QR-Code, ein Logo, ein abstrakter Avatar – aber kein Gesicht. Fragt man seinen Gesprächspartner nach der Identität wird abgeblockt. Das hat einen nicht zu interessieren. Man will hier anonym bleiben.

Man redet auch mit Gesichtern. Meist nur mit wenigen. Zu groß ist dieses Statusmeldung-Universum. Wie in einem Sternschnuppenhagel fallen jede Sekunde 140 Zeichen auf die Erdlinge nieder. Glücklich ist der, den es trifft. Rituelle Freitagsbeweihräucherungen runden das Miteinander ab. Alle anderen Personen verschwinden in der üppigen Suppe des Twitterhimmels.

Nicht zu persönlich bitte, nicht zu direkt!

Mitunter werden einzelne Akteure an den Pranger gestellt. Zu direkt, zu verpönt, zu vulgär, zu tief für unser oberflächliches Ego. Sie werden verpetzt, vorzugsweise bei Vorgesetzten und werden auch schon mal vor die Tür gesetzt. Gekündigt auf Grund der Übertretung der Nichtigkeitsregeln. Es soll nicht brüskieren, nicht ordinär sein und schon gar nicht ehrlich.

Nein, tiefgründige Ehrlichkeit ist ein Luxus, den wir uns nicht mehr leisten können!

So leben wir dahin in unserem persönlichen Social Media Universum und sollten sie bis hierher gelesen haben, so danke ich Ihnen! Es kommt selten vor…

Verliebt in QR

Ich gebe zu, ich habe sie auch immer ignoriert, dabei springen sie einem bei jeder Gelegenheit entgegen, ob im Supermarkt oder auf der Bushaltestelle. Bisher allerdings ohne großen response, würd ich mal sagen. Ich meine diese kryptischen meist viereckigen Bilder, die aussehen, als hätten sie Außerirdische gemacht. Die Rede ist von sogenannten QR Codes. Der Begriff kommt aus dem Englischen und heißt „Quick Response“. Dabei handelt es sich um einen zweidimensionalen Code, der von der japanischen Firma Denso Wave 1994 entwickelt wurde.

Im täglichen Leben eingebunden

Was bei uns erst langsam ankommt ist in Japan seit Jahren unverzichtbarer Bestandteil des täglichen Lebens. Diese Vierecke sind überall zu finden, auf Visitenkarten, auf Magazinen, Folder und Plakaten, auf Lebensmittel, Spielen, Webseiten und und und…. Die Liste wäre schier endlos.

Ja sogar tätowieren lassen sich die Menschen in Japan ihre QR Codes. Natürlich gab es die dementsprechenden technischen Voraussetzungen, dass sich diese Art zu scannen etabliert hat. Standardmäßig ist ein Scanner bzw. Reader auf den Mobiltelefonen installiert.

Langsame Verbreitung in Europa

In Europa lief die Verbreitung von QR Codes erst so richtig durch Smartphones an, die es möglich machten, sich eine Applikation mit Reader aufs Gerät zu laden, um ungehemmt losscannen zu können.

Wozu braucht man das überhaupt, werden Sie jetzt fragen? Besonders bei Visitenkarten in Barcodeformat lässt sich der Vorteil deutlich erkennen: Man spart sich das Abtippen der Kontaktdaten und kann diese nach dem erfolgreichen Scanvorgang einfach in die Kontakteverwaltung des Telefons speichern, ganz automatisch. Ein Segen für jede Sekretärin!

Der Vorteil

Überhaupt ist das DER Vorteil, sich Informationen simpel von einem realen „Gegenstand“ in seine virtuelle Welt zu holen. Websites und Infomaterial wird häufig in dieser Form vermittelt – der QR Code braucht nicht viel Platz und enthält viel Botschaft.

Der Nachteil

Die man allerdings vor dem scannen nicht erkennt und das ist für mich der Nachteil daran. Ein bisschen paranoid veranlagt, wie alle die mit Internet Security zu tun hatten, denke ich immer, wer weiß, was ich mir da so runter lade. Bei anderen hingegen scheint dies Neugierde zu wecken, was dahinter steckt.

Vielfach wird dieser Weg zur Übermittlung von Daten im B2B Bereich genutzt. In der Werbung sind diese nahezu künstlerisch anmutenden Zeichen äußerst beliebt.

Werbung für Kaffee

Unlängst landete ein Schreiben eines Kaffeeanbieters, für den Herr Clooney gerne wirbt, auf meinem Schreibtisch. Und drei Mal dürfen Sie raten, was neben der Empfänger Adresse zu sehen war? Richtig getippt, es war ein – in diesem Falle – Barcode.

Wo bleibt mein Briefträger?

Neugierig, wie ich nun mal bin, rief ich bei besagter Fima an, um zu hinterfragen, wofür sie den Code verwenden. Die Antwort war: für die Post. Na wer hätte gedacht, dass die Post so fortschrittlich agiert. Es wäre interessant zu erfahren, wie die österreichische Post diese Codes verwendet. Wenn Sie das nächste Mal einen Briefträger zu Gesicht bekommen sollten – was immer seltener der Fall ist, weil viele der gelben Zettel fürs Postkasterl vorgeschrieben werden, wohl in der Annahme die Abnehmer der Pakete wären nicht zu Hause. Aber das ist eine andere Geschichte – fragen Sie ihn doch, vielleicht kann er Sie aufklären….

 

Wem gehört das Internet?

Das Internet erfreut sich seit Jahren steigender Nutzung. Die Anzahl der registrierten Domainnamen nimmt weltweit  immer weiter zu. Uneingeweihte Menschen könnten den Erfolg des Internet und der Verwaltung des Adressraumes einer guten und nachdrücklichen Internet Governance zuschreiben.  Das wäre ein Trugschluss, denn Internet Governance, also, wer die zentralen Ressourcen  im Internet reguliert,  ist nicht eindeutig.

ICANN und die USA

Vor 15 Jahren führte Jon Postel das Internet durch die erste Phase der Kommerzialisierung. Nach Postel‘s Tod versuchten sich verschiedene Stakeholder, ausgesucht durch die ICANN – The Internet Corporation for Assigned Names and Numbers – in der Organisation. Die nationalen Regierungen bemerkten rasch, welche Macht das Internet und damit seine Regulierung hatte. Sie wollten mitbestimmen. Internationale Organisationen mischten sich ein und meinten, das globale Netz könnte natürlich auch nur international gemanaged werden.  Die ICANN wollte, trotz interner Streitigkeiten selbst  die Internet Governance sein. Die USA, die eigentlich die Zügel in der Hand hatten, ignorierten in der Amtszeit Bushs das Thema Internet völlig. „Wen kümmert das Internet in Zeiten des Kampfes gegen den weltweiten Terrorismus“, so die Argumentation.

Aber ein Machtvakuum ist nie von langer Dauer, also setzten die Nationalstaaten das Mitbestimmungsrecht in der ICANN durch. Die internationalen Organisationen verloren sich derweilen beim diskutieren in Foren wie dem Internet Governance Forum oder beim World Internet Summit.

“durchwurschteln”

Seit dem Regierungswechsel 2008 bekennt man sich in den USA wieder mehr zum Internet, aber außer, dass es mehr Kontrolle benötigt, wurde bisher nicht verkündet. Unter diesem Aspekt ist es wirklich verwunderlich, dass Internet Governance überhaupt funktioniert hat. Tamar Frankl – Rechtsprofessorin an der Harward Law School in Israel und Moderatorin der ersten ICANN Sitzungen – meinte, die Steuerung des Internet funktioniere mittels „durchwurschteln“.

Der Vorteil war bisher, dass viele Stakeholder bei Entscheidungen nachgeben konnten, da die Ziele ständig neu definiert wurden. Denn klar ist, es existiert kein Ziel, wo man hin will. Der Weg funktioniert, wenn die bestimmenden Stakeholder alle gleich stark sind. Existiert kein gemeinsames Ziel, so ist es wahrscheinlich, dass die mächtigen Stakeholder der Gemeinschaft ihre eigenen Ziele aufzwingen – und dies erfolgreich, und ohne Rücksicht auf die Anderen. Es gilt eben der alte Grundsatz: Macht braucht Kontrolle! Und immer mehr wird deutlich, dass das Internet ein mächtiges Informationswerkzeug ist und seine Kontrolle den Unterschied zwischen Stabilität und Revolution bedeutet.

An der Macht

Wer „die Mächtigen“ heutzutage sind ist leicht dargestellt.  Derzeit nutzen ca. 1,7 Milliarden Menschen das Internet, davon hat rund ein Drittel einen Facebook Account. Wie solche Unternehmen und die Politik zusammen hängen, zeigte auch der Besuch von Präsident Obama am 20. April im Headquater von Facebook in Palo Alto.  „Facebook“, so der Präsident, „stellt sicher, dass die Menschen informiert sind. Dieses Unternehmen ist ein ideales Medium“. Facebook und die Politik nutzen sich also gegenseitig.

Facebook wurde jahrelang belächelt. Was kann ein so junger Mensch in Jeans wohl ausrichten und was ist schon schlimmes dabei, junge Menschen in Kontakt zu bringen? Aber! Das Unternehmen hat in nur wenigen Jahren neue Maßstäbe in der Kommunikation gesetzt und mittlerweile ordnen sich diesen Regeln um die 600 Millionen Menschen unter.

Die Bedenken gegen große IT-Firmen ist durchaus berechtigt , verfügen sie doch über beachtliche Datenbanken und niemand weiß, wie Namen, Adressen und Bilder im Internet miteinander verknüpft werden. Diese Unternehmen wissen, wofür wir uns interessieren, was wir kaufen, wohin wir verreisen, mit wem wir befreundet sind. Mit Vermarktung und Vernetzung ist jede Menge Geld zu verdienen und man kann gezielt Einfluss nehmen.

Datenschutz, Sicherheit und fairer Wettbewerb sind DIE Themen, die es im Internet zu regeln gilt. Wollen wir hoffen, dass sich eine „neutrale“ Internet Governance dafür findet!

Links: Domainpulse 2011, Die Zeit

 

ad ACTA

Bereits seit drei Jahren wird um das Anti-Piraterie Abkommen ACTA (Anti-Counterfeiting Trade Agreement) gerungen. ACTA ist ein geplantes plurilaterales Handelsabkommen auf völkerrechtlicher Ebene. Die Staaten, die um diesen Vertrag bereits seit elf Verhandlungsrunden kämpfen, sind die USA, Kanada, die Europäische Union (vertreten durch die EU-Kommission), Schweiz, Japan, Südkorea, Singapur, Australien, Neuseeland, Mexiko, Jordanien, Marokko und die Vereinigten Arabischen Emirate. Sie geben an, mit diesem Vertrag der Produktpiraterie und den Urheberrechtsverletzungen ein Ende setzten zu wollen. Die Verhandlungen, die seit 2007 laufen, finden unter Ausschluß der Öffentlichkeit statt. Ein Fakt, der den Teilnehmern international heftige Kritik einbringt. Zudem kocht die Gerüchteküche über. Die Rede ist von Netzsperren bei Urheberrechtsverstössen, Providerhaftung und Inhaltsfilter.

Im März 2010 forderte das Europäische Parlament die Europäische Kommission in einem interfraktionellen Entschließungsantrag dazu auf, den Verhandlungsstand offen zu legen.

Es soll unter anderem vorgesehen sein, dass Internetdiensteanbieter bei Urheberrechtsverletzungen Ihrer Kunden haftbar gemacht werden können. Dieser Verantwortung sollen sie sich nur entziehen können, wenn sie sich verpflichten, den Datenverkehr ihrer Kunden zu überwachen und ihnen gemäß dem umstrittenen Three-Strikes-Prinzip den Internetzugang nach drei Verstößen gegen das Urheberrecht zu sperren. Auch Anstiftung und Beihilfe zu Urheberrechtsverletzungen soll in Zukunft strafbar sein.

Der weitgehende Ausschluss der Öffentlichkeit verunsichert immer mehr Internet-User. Ebenso wie Bürgerrechtler und Internetaktivisten empfinden sie die Vorgehensweise als “undemokratische Geheimniskrämerei”. Sie fürchten, dass das Abkommen bei den Bürgerrechten zu massiven Einschnitten führen könnte. Ganz unbegründet sind die Bedenken nicht.

Heute wurde nun endlich erstmals der Vertragsentwurf für das Anti-Counterfitting Handelsabkommen von der Organisation Knowledge Ecology International veröffentlicht. Und was viele befürchtet haben scheint Realität zu werden. So sollen zum Beispiel sämtliche kommerziellen Warensendungen aus dem Ausland auf Marken- und Urheberrechtsverstöße kontrolliert werden dürfen. Auch müssen Einschränkungen des Briefgeheimnisses befürchtet werden. Bei Urheberrechtsverstößen in elektronischen Netzwerken sollen die Medienunternehmen einen direkten Auskunftanspruch über die persönlichen Daten der Nutzer gegenüber den Service Providern bekommen. Ein Richtervorbehalt ist nicht vorgesehen.

Die Kommission meinte dazu heute: Das Abkommen sehe keine Verpflichtung der Teilnehmerstaaten vor, verbiete entsprechende Regelungen aber auch nicht. Eine neue Fußnote billigt den künftigen ACTA-Unterzeichnern ein System abgestufter Haftbarkeit für ISPs zu. Inwieweit Staaten die Aktivitäten privater Nutzer kriminalisieren, bleibt ihnen ebenfalls selbst überlassen. Legales Filesharing bleibe legal und illegales Filesharing bleibe illegal.

Eine weitere Verhandlungsrunde ist nicht geplant. Man geht davon aus demnächst alle Punkte geklärt zu haben. Diese scheinen unter den Mitgliedern via E-Mail diskutiert zu werden. Laut einem Experten der EU-Kommission müssen neben dem Parlament und dem Rat auch die einzelnen Mitgliedsländer zustimmen. Wie die Entscheidung hier jeweils herbeigeführt wird, diese Frage müsste auf nationaler Ebene beantwortet werden.

Auf alle Fälle wird das Ergebnis mit Spannung erwartet!

Quelle: Wikipedia, heise.de, Piratenpartei Deutschland